interview21. August 2026Dortmund
Typografie trifft Lehre - Lars Harmsen im Gespräch
Lars Harmsen verbindet Theorie und Praxis in der Designwelt auf einzigartige Weise. Als Mitgründer und Verleger von Slanted Publishers sowie Partner und Creative Director bei Melville Brand Design bringt er umfassende Erfahrung mit, die er als Professor für Typografie und Editorial Design an der Fachhochschule Dortmund an seine Studierenden weitergibt.
Text · Samira Niedermayer6 min

Was hat Sie motiviert, Professor zu werden? Ich bin Professor geworden, um meine Erfahrung weiterzugeben und aus Dankbarkeit für die Unterstützung, die ich selbst erfahren durfte. Während meiner Ausbildung in einer Agentur habe ich großartige Unterstützung erfahren. Während meines Studiums in Basel und Pforzheim lernte ich inspirierende Professoren kennen, die mir die Welt des amerikanischen Designs und die digitale Zukunft näherbrachten. Diese Erfahrungen motivierten mich, mein Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Besonders schätze ich die interdisziplinäre Lehre und die kreative Freiheit an der Fachhochschule Dortmund. Meine praktischen Erfahrungen aus der Arbeit in einer Agentur und einem Verlag fließen direkt in meine Lehre ein und helfen mir, die Realität zu berücksichtigen.
Wie ist es, an der Fakultät für Gestaltung zu arbeiten? Als Professorin arbeite ich mit jungen Menschen auf Augenhöhe. Diese partnerschaftliche Beziehung ist der Hauptgrund, warum ich das Unterrichten an der Hochschule so spannend und bereichernd finde. Der Austausch mit ihnen fordert mich nicht nur heraus, sondern eröffnet mir auch neue Perspektiven. Ich finde es faszinierend zu beobachten, wie Studierende denken, was sie hier lernen und wie sie es anwenden.
Warum haben Sie sich für die Fachhochschule Dortmund entschieden? Ich habe mich bewusst für Hochschulen entschieden, die mehr als nur einen Designstudiengang anbieten. Ich bin an interdisziplinärem Austausch interessiert und möchte als Grafikdesignerin Einblicke in Bereiche wie Film oder Bühnenbild gewinnen. An der Fachhochschule Dortmund habe ich die gesuchte Vielfalt gefunden. Außerdem wollte ich mich an einer Hochschule in einer Stadt bewerben, die nicht ständig im Rampenlicht steht wie Berlin oder München, sondern Wachstumspotenzial bietet. Dortmund hat sich als hervorragender Standort für Ausstellungen und Veranstaltungen etabliert.
Sie haben eine Agentur gegründet und sind Herausgeberin eines Magazins. Können Sie diesen Unternehmergeist an Ihre Studierenden weitergeben? Ja, mit gemischten Gefühlen. Nach meinem Studium habe ich den Fehler gemacht, nicht zuerst in einer großen Agentur zu arbeiten, um mir ein Netzwerk aufzubauen. Die frühe Selbstständigkeit hat mir jedoch beigebracht, selbstständig zu arbeiten und mir ein Gefühl von Freiheit und Stolz gegeben. Viele Studierende gründen direkt nach dem Abschluss ihr eigenes Unternehmen, oft aus Angst vor dem Hamsterrad und auf der Suche nach einer besseren Work-Life-Balance. Ich denke, das ist individuell verschieden: Manche profitieren davon, Erfahrungen zu sammeln und ein Netzwerk aufzubauen, bevor sie sich selbstständig machen. Ich empfehle, diesen Schritt gut zu überdenken.
Wie gelingt es Ihnen, Berufs- und Privatleben in Einklang zu bringen und gleichzeitig in andere Projekte involviert zu sein? Mir gelingt das, indem ich in all meinen Projekten mit Partnern zusammenarbeite, anstatt alles allein zu machen.
Wie gehen Sie an Ihre Lehre heran? Ich gestalte jeden Tag, weil es mir Spaß macht und weil es mir hilft, mein Wissen zu erweitern und weiterzugeben. Ich reise auch gerne und organisiere Exkursionen mit meinen Studierenden. Diese intensiven Erfahrungen in unterschiedlichen Kulturkreisen sind extrem bereichernd. Ich halte es für wichtig, Studierende aus Dortmund herauszuholen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.
Was macht Ihre Lehre besonders? Der Verlag, den ich in den letzten 20 Jahren aufgebaut habe, genießt internationale Anerkennung und bietet zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten mit Studierenden. Diese Verbindungen zwischen Lehre und Verlagswesen sind sehr wertvoll.
Wie wichtig ist Ihnen Forschung? Forschung ist mir sehr wichtig. Jede Ausgabe von Slanted beleuchtet verschiedene Aspekte der Forschung. Ich bin außerdem überzeugt, dass eine historische Perspektive unerlässlich ist, um zukünftige Entwicklungen besser zu verstehen. Ein zentraler Aspekt meiner Forschung ist der kreative Umgang mit Werkzeugen. Indem ich ihre ursprüngliche Funktion hinterfrage und sie auf neue Weise einsetze, eröffnen sich neue Möglichkeiten. So lässt sich beispielsweise ein Poster mit Excel gestalten. Solche Experimente machen Spaß und fördern innovative Ansätze im Design.
Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Fachgebiets? Ich glaube, wir müssen die Curricula flexibler gestalten, da sich die Zyklen immer schneller beschleunigen. Internationalisierung ist entscheidend, und an unserer Universität besteht in diesem Bereich noch Entwicklungspotenzial, beispielsweise durch englischsprachige Studiengänge. Wir sollten uns auch von traditionellen Werkzeugen lösen und unsere Lehrmethoden an das Tempo des digitalen Zeitalters anpassen. Es ist wichtig, dass Studierende kritisches Denken entwickeln und lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen. Sie benötigen zudem innere Stärke, um den Herausforderungen des rasanten Wandels zu begegnen.
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